In sehr vielen Gemeinden und Gottesdiensten erinnern sich die Menschen an diesem Palmsonntag an den Einzug Jesu in Jerusalem. Grüne Zweige werden zu Beginn der Feiern gesegnet und bei den anschließenden Palmprozessionen mit in die Kirchen getragen. Diese liturgische Feier lässt etwas von dem Jubel und der Begeisterung der Menschen in Jerusalem vor 2000 Jahren erahnen: „Hosanna dem Sohne Davids!“ (Mt 21, 9).
Doch diese Stimmung zu Beginn der gottesdienstlichen Feiern schlägt am Palmsonntag sehr schnell um. Beim Verlesen der Leidensgeschichte Jesu wandelt sich der Freudenruf „Hossana dem Sohne Davids!“ (Mt 21, 9) sehr schnell und radikal in ein „Kreuzige ihn!“ (Lk 23, 21)
Die Jubelrufe kehren sich um. Keine Begeisterung mehr. Kein Vertrauen in den Herrn. Kein Vertrauen mehr in den, der vorher noch die Frohe Botschaft verkündet hat. Jeglicher Glaubensmut und alle Glaubensfreude scheint verloren gegangen zu sein.
Vom „Hosanna“ zum „Kreuzige ihn“. Von Jubelstimmung hin zu Resignation und Mutlosigkeit.
Wir feiern den Palmsonntag vor dem Hintergrund der Erfahrungen und Veränderungen in unserer Kirche in den vergangenen Jahren. Zugleich bricht aber immer wieder auch Neues auf und schenkt Hoffnung und Zuversicht im Glauben.
Können wir am Beginn der kommenden Karwoche mit einem kräftigen „Hosanna“ einstimmen - trotz allem, was uns vielleicht auch zu schaffen macht, beschäftigt oder auch verunsichert?
In wenigen Wochen, vom 13. bis 17. Mai 2026, treffen sich Tausende von Gläubigen und Interessierten in Würzburg zum 104. Deutschen Katholikentag. Er ist überschrieben mit dem Zuruf an den blinden Bartimäus: „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10, 49)
Dieses Leitwort des Katholikentages und auch der Diözese Würzburg für das Jahr 2026, dieser Aufruf gilt auch zu Beginn dieser Karwoche - und zwar für uns ganz persönlich: „Hab Mut, steh auf!“
„Lass Dich nicht unterkriegen von schwierigen oder negativen Erfahrungen! Lass Dich nicht entmutigen! Habe Mut, auf Gott zu vertrauen! Schöpfe dadurch neue Kraft - und steh (wieder) auf!“
Die Erfahrungen der Karwoche, des scheinbaren Scheiterns und der Trauer, gehören zu unserem Leben hinzu. Und dennoch dürfen wir als Christen darauf vertrauen, dass es nicht das Ende ist. Dass es sich lohnt, immer wieder Mut zu fassen und aufzustehen.
Denn die Kartage sind nicht alles - Ostern wird kommen.
Domkapitular Stefan Gessner, Dompfarrer, regionaler Priesterreferent und Dekan

