Ich mag die Bibel sehr gern. Ja, es gibt einiges, was man an ihr schlecht finden kann, was Fragezeichen hinterlässt oder aus gegenwärtiger Perspektive schon ziemlich problematisch klingt.
Was die Bibel aber auf jeden Fall zu bieten hat, sind mitreißende Geschichten.
Etwa von Jakob: Das ist einer, der seine Familie hintergeht und deshalb vor ihr fliehen muss. Auf seiner einsamen Wanderschaft hat er eine Gottesbegegnung, setzt sich mit seinen Fehlern auseinander und versöhnt sich mit zitternden Knien wieder mit seinen Verwandten.
Da gibt es Mose, der sein Volk aus einer menschenunwürdigen Knechtschaft in die Freiheit führen soll.
Oder den Hirtenjungen David: Er wird zum Protagonisten einer epischen Geschichte von jähzornigen Machthabern, tiefer Freundschaft, grölenden Riesen und beruhigender Musiktherapie.
Es gibt die Geschichte von Esther, die – gegen das intrigante Hofgebaren und ihre eigenen Ängste – einen Pogrom am jüdischen Volk verhindern kann.
Es wird erzählt von Maria, die eine Schwangerschaft allen erklären muss, kurz vor der Geburt zur Reise in ein entferntes Provinznest gezwungen wird und ihr Kind schließlich in einem Stall zur Welt bringt.
Oder Simon Petrus – dem ersten, der sich nach dem Tod und der Auferstehung von Jesus traut, dessen Botschaft zu verbreiten.
Dies ist nur eine kleine Auswahl, aber was fast alle von diesen durchaus beeindruckenden Figuren gemeinsam haben ist: Sie werden sehr menschlich geschildert, und bis auf ganz wenige Ausnahmen sind sie alles andere als fehlerfreie Helden: Josef wird den Lesenden zunächst als eingebildeter Paradiesvogel vorgestellt. Mose begeht einen Mord. David treibt ein Paar auseinander und sorgt dafür, dass der durch ihn betrogene Ehemann im Krieg umkommt. Simon Petrus kann, als es hart auf hart kommt, nicht dazu stehen, wie viel die Freundschaft mit Jesus ihm bedeutet.
Die Charaktere der biblischen Geschichten sind so unsicher, zweifelnd und unperfekt wie das wahre Leben, und doch sind sie es, mit denen Gott zusammenarbeitet und Großes bewirkt. Das finde ich am schönsten daran: Gott braucht keine perfekten Heldinnen und Helden. Er scheint mit dem arbeiten zu können, wie Menschen wirklich sind, was sie eben mitbringen.
Ich ziehe daraus die Zuversicht: Gott arbeitet mit dem, was ich mitbringe – sogar mit dem Fehlerhaften und Unperfekten – und macht damit und daraus Gutes.
Johannes Bindner ist evangelischer Gemeindereferent in Veitshöchheim und im Raum Würzburg-Nordost.

