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Leben in Fülle

Wort zum Wochenende
Ich brauche Leute, mit denen ich wirklich reden kann, die sich Zeit für mich nehmen, die mir vermitteln, so Tanja Vincent.

In diesen Wochen haben die Schüler und Schülerinnen Ferien und viele verreisen. Wie kann man diese schönste Zeit des Jahres am besten nutzen? Was gehört zum perfekten Urlaub dazu? Lieber zu einem Hotspot fahren und Fotos machen, wie man sie schon auf dem Handy gesehen hat? Ans Wasser oder in die Berge? An einen Ort, der ein vermeintlicher oder ein echter Geheimtipp ist? Wovon will ich danach erzählen können, um sagen zu können: „Schön war’s!“ ?

Im August begleitet viele die Sehnsucht nach Abstand vom Alltag und zugleich nach einer erfüllten Zeit. Der Monatsspruch im August verspricht das mit einem Wort Jesu: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10,10) Dabei hat er nicht an eine besondere Urlaubsreise gedacht, nicht an Bilder, die sich besonders gut zeigen oder posten lassen, nicht an Events, von denen so viele erzählen. Er verspricht keine erfolgreiche Karriere, glückliche Familie oder perfekte Wohnung. Er stellt sich vor als der gute Hirte, der sich um seine Herde kümmert, damit sie das, was sie brauchen, in Fülle haben. Genug, um gut leben zu können.

Was dazu gehört? Auch wenn wir das sehr individuell definieren, kommt einiges vermutlich bei vielen von uns auf eine Liste von Zutaten für ein gutes Leben.
Ein Zuhause, wo man gut sein kann; die Möglichkeit, gut zu essen und das, was man gerne mag, auf dem Teller zu haben; Menschen um sich zu haben, die ich Familie, Freundinnen und Freunde nenne, gute Kolleginnen und Kollegen; Orte, an denen ich mich gerne aufhalte; gute Anregungen und Gedanken, die mich fordern und weiterbringen, einen Kalender, über den ich (immer wieder) frei verfüge.

Schnell wird deutlich: Ein gutes Leben kann ich mir nicht kaufen, auch wenn vieles schwieriger wird, wenn das Geld knapp ist. Vieles hat für mich mit anderen Menschen zu tun. Ich brauche Leute, mit denen ich wirklich reden kann, die sich Zeit für mich nehmen, die mir vermitteln: Ich mag dich. Und ich brauche das Gefühl, dass mein Leben einen Sinn hat, dass ich Aufgaben übernehme, die für jemanden oder etwas gut sind, oder dass jemand gerne Zeit mit mir verbringt.

Wenn Jesus mir ein Leben in Fülle verspricht, dann ist er da für mich, hört mir zu, segnet mich, gibt mir den Glauben, dass er mich gern hat und ich einen Platz in seinem Plan habe. Der muss nicht groß sein, eignet sich vielleicht nicht für Geschichten und Posts, hilft mir aber, erfüllt zu sein und im Alltag wie im Urlaub zu sagen: Schön ist’s – so, wie es ist.

Autorin: Tanja Vincent, Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Deutschhaus-Erlöser in Würzburg

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