"Das macht doch nichts", antwortete mit einem aufmunternden Lächeln der Athosmönch einem Mann, der über seine familiäre Situation klagte. Auch einem anderen, der seine Sorgen mitteilte, antwortete er dasselbe und schließlich auch einem Dritten nach der Schilderung seiner Probleme. Merkwürdig, da kommen Menschen von weit her mit großem Aufwand und noch höheren Erwartungen in die Einsiedelei eines vorbildlichen Mönches, charismatischen Seelsorgers und erfahrenen Beraters und hören dann nur diese scheinbar läppische Antwort: Macht doch nichts, ist alles nicht so schlimm. Nimmt er die Sorgen der Menschen nicht ernst, relativiert er alles, ist er gar ironisch? Oder soll die provokante Gelassenheit dem eigenen Ego schmerzen, das sich für so wichtig hält und präzise Erwartungen oder gar Forderungen wie an ein Orakel hat?
Nach der ersten Enttäuschung und Skepsis entwickelte sich doch so langsam ein neuer Gedanke. Hat der Mönch aus seiner anderen Perspektive vielleicht sogar recht? Sehen all unsere Probleme und Versuchungen aus der Sicht Gottes möglicherweise ganz anders aus? Werden Situationen oft unnötig dramatisiert, stecken manche Lösungen bereits in den Problemen, sind viele Sorgen etwa unbegründet? Und kommt es nicht vielleicht sogar vor, dass sich jemand für zu wichtig nimmt und sich mit seinen alltäglichen Sorgen aufspielt, um seinen Besuch beim frommen Gottesmann zu rechtfertigen und seine Aufmerksamkeit zu erhalten?
Ohne etwas kleinreden zu wollen, hilft eine gelassene und nüchterne Sicht, die alltäglichen Sorgen, Probleme und Schwierigkeiten nicht unnötig aufzubauschen und die Lösung, die oft schon auf der Hand liegt, nicht zu übersehen. Doch meist ist es anders. Schon beim Wetter beginnt das ständige Jammern. Es wird nicht mehr nur prognostiziert und hingenommen, sondern analysiert und gewertet als zu heiß, zu nass, zu trocken, zu windig, zu kalt, zu schwül. Warum kann man es nicht nehmen, wie es ist, da es ohnehin nicht zu ändern ist, in der Gewissheit, dass sich ohnehin alles wieder ändert? Wo Gelassenheit gut täte, macht sich stattdessen ein Pessimismus und ein Jammern breit.
Leider bleibt es nicht beim bloßen Jammern. Die Unzufriedenheit führt zum Nörgeln und schließlich zum ständigen Maulen und Motzen. Alles und jeder ist schuld, außer der Quengler selbst. Das häusliche Klima wird vergiftet, ein Vorwurf zieht den anderen nach, das Miteinander wird toxisch. Dabei wäre es doch so einfach, ab und zu schlicht zu sagen: "Ach, macht doch nichts".
Autor: Erzpriester Martinos Petzolt

