„Was denkst Du eigentlich von mir?“ - So fragen wir manchmal ganz empört, wenn unser Gegenüber etwas über uns behauptet, was wir so gar nicht akzeptieren wollen.
Ja, es ist schon so eine Sache mit dem Selbstbild und der Fremdeinschätzung. Das Selbstbild bezieht sich auf die eigene Wahrnehmung von uns selbst, während das Fremdbild die Sichtweise anderer wiedergibt. Aber wie kommt es denn eigentlich, dass wir uns selbst oftmals ganz anders sehen, als andere dies tun?
Es ist eine wichtige, aber oft unterschätzte Frage, wie wir auf andere wirken, denn sie beeinflusst, wie sie uns wahrnehmen und dann auch behandeln und sie kann oft genug zu Missverständnissen, Frustrationen und Konflikten führen.
Nicht anders war das wohl bei der Frage Jesu „Für wen haltet Ihr mich?“ aus dem Evangelium vom letzten Sonntag und sie hat mich seither nicht mehr losgelassen. Da fragt einer, was andere über ihn denken… und will auch eine möglichst ehrliche Antwort!
Ich denke, es kommt dabei sehr auf die jeweilige Perspektive an. Es kommt darauf an, was ich selbst von diesem Jesus erfahren habe und was ich davon halte. Kann ich mir vorstellen, dass er mein Leben tatsächlich nachhaltig beeinflusst? Das muss jeder und jede von uns zuerst für sich selbst klären.
Seine Person und noch mehr sein Auftreten zu Lebzeiten haben es den Menschen nicht immer leicht gemacht, ihn und die Ansprüche, die er an sie stellte, zu mögen. Viele seiner Zeitgenossen haben Jesus deshalb auch offen abgelehnt und schließlich durchgesetzt, dass er am Kreuz sterben musste. Aber anscheinend war er nicht totzukriegen, denn seine Botschaft beschäftigt so viele Menschen bis zum heutigen Tag.
Petrus hatte damals bekannt, dass er der Messias, der Gesandte von Gott her sei. Aber kann ich das auch von diesem Jesus behaupten? Kann ich sagen, dass er auch für mich eine ganz besondere Rolle in meinem Leben einnimmt? Glaube ich wirklich, dass er mein Leben beeinflussen und begleiten kann - auch und vor allem in den Durststrecken, die es unweigerlich gibt?
Wenn wir solche Fragen guten Gewissens mit „Ja“ beantworten könnten, dann hätte das sicher auch Auswirkungen auf unser Selbstbild und vor allem auf das Bild, das andere Menschen von uns haben. Es wäre uns sehr zu wünschen… denn dann hätten wir auch viel mehr das im Sinn, was Gott von uns Menschen erwartet. Jesus hat uns das vorgelebt und wenn wir seinem Beispiel wenigstens ein bisschen folgen, dann wird unser Bild nach außen ja so schlecht nicht sein.
Hubert Hemmerich, Gemeindereferent in der Pfarreiengemeinschaft Lindleinsmühle/ Versbach/Rimpar/Maidbronn und Koordinator im Pastoralen Raum Würzburg Nord-Ost

