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Die Welt mit Kinderaugen sehen

Wort zum Wochenende
Und vielleicht ist es genau das, was wir uns manchmal bewahren sollten: diesen kindlichen Blick auf die Welt, so Yonne Meier.

Jetzt im Moment, wo viele Studierende ihre WGs und Wohnungen verlassen, und viele Umzüge passieren, finden sich umso mehr „Zu verschenken“-Kisten an den Straßenecken. Ich liebe es, darin zu stöbern. Zwischen Tassen mit verblassten Logos, Weihnachtsdeko und drei ausgelesenen Büchern bleibt in solchen Kisten auch immer ein bisschen Substanz des ehemaligen Besitzenden zurück. Oft erwische ich mich während des Wühlens dabei, dass ich mir über den Ersteller der Kiste etwas zusammenreime. Wer hat diese Tasse wohl täglich benutzt? Warum wurde gerade diese Vase aufgehoben? Und was hat dazu geführt, dass all diese Dinge nun gemeinsam in einer Kiste stehen?

Als ich vor kurzem in der Innenstadt unterwegs war, begegnete mir genau solch eine Zusammenstellung – allerdings nicht im typischen Pappkarton. Vielmehr hatte ich einen alten, braunen Koffer vor mir. Die Scharniere waren schon offen, und obwohl ich es eilig hatte, konnte ich nicht widerstehen. Nur einmal ganz kurz den Deckel lupfen, nur einmal ganz kurz die Nase hineinhalten und der kindlichen Neugierde nachgehen …

Und so kam ich an die größten und wunderschönsten Muscheln, an zwei kleine Salzsteine und eine kleine Blumenvase. Dinge, die auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken und doch sofort meine Aufmerksamkeit geweckt haben. Ich werde mir jetzt nicht für Sie eine hübsche kleine Geschichte ausdenken, was diese Gegenstände in ihrem alten Zuhause wohl gesehen haben, welchen Platz sie innehatten und warum sie schließlich in diesem Koffer auf der Straße gelandet sind. Aber genau diese Fragen haben etwas Schönes: Sie machen offen für Staunen und Fantasieren.

Und vielleicht ist es genau das, was wir uns manchmal bewahren sollten: diesen kindlichen Blick auf die Welt. Die Fähigkeit, stehenzubleiben, obwohl wir es eilig haben. Zu träumen und sich die fantastischsten Szenarien auszumalen. Sich zu fragen, woher etwas kommt, welche Geschichte dahintersteckt und was sich vielleicht noch entdecken lässt.

Ich möchte Sie deshalb anhalten, sich selbst immer wieder Raum für diese Neugierde zu geben. Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, mit einem staunenden Mindset und mit Begeisterung für die kleinen Dinge des Lebens. Bleiben Sie neugierig für die kleinen Schätze links und rechts Ihres Lebensweges!

Autorin: Yvonne Meier, Diakonin u. Sozialarbeiterin, Bildungsreferentin im Schröderhaus, Öffentlichkeitsarbeit des Dekanates

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